Wie das heutige System funktioniert
Bei der direkten Bundessteuer werden verheiratete Paare und eingetragene Partnerschaften gemeinsam besteuert. Die Steuerverwaltung addiert beide Einkommen und wendet einen einzigen Steuersatz auf das Gesamteinkommen an.
Durch das progressive Steuersystem führt das Zusammenlegen beider Einkommen zu einem höheren Grenzsteuersatz — die sogenannte Heiratsstrafe. Ein Ehepaar kann dadurch mehrere tausend Franken mehr Steuern zahlen als ein unverheiratetes Paar mit gleichem Einkommen.
Die Heiratsstrafe trifft Doppelverdiener am stärksten. Zwei Einkommen von je CHF 80'000 können verheiratet deutlich höher besteuert werden als bei zwei Einzelpersonen. Die Quellensteuer vs. ordentliche Veranlagung erklärt die Mechanik der Schweizer Steuerberechnung.
Was die Reform ändert
Die Individualbesteuerung trennt die Steuerberechnung für Ehepaare. Statt einer gemeinsamen Erklärung reicht jeder Ehepartner seine eigene Steuererklärung mit eigenem Einkommen, eigenen Abzügen und individuellem Steuersatz ein.
Der Zweitverdiener — oft eine Frau, die nach der Familienphase Teilzeit arbeitet — wird nicht mehr mit dem hohen Grenzsteuersatz des Hauptverdieners belastet. Das bedeutet mehr Netto vom Brutto und einen stärkeren Anreiz, das Arbeitspensum zu erhöhen.
Die Reform betrifft auch Abzüge. Jeder Ehepartner macht seine eigenen Abzüge geltend — Säule 3a, Berufsauslagen, Versicherungsprämien — gegen sein eigenes Einkommen. Der Säule-3a-Maximalbeitrag und der Krankenkassen-Steuerabzug erklären zwei grosse Abzugsposten.
Gewinner und Verlierer
Doppelverdiener-Paare mit ähnlichen Einkommen sind die grössten Gewinner. Ein Ehepaar mit zwei Gehältern von je CHF 90'000 kann bei der Bundessteuer mehrere tausend Franken sparen. Zweitverdiener — oft Frauen in Teilzeit — profitieren am meisten, weil ihr Einkommen nicht mehr dem hohen Grenzsatz des Partners unterliegt.
Alleinverdiener-Paare mit grossem Einkommensgefälle sehen wenig Änderung oder sogar eine leichte Erhöhung. Die Reform streicht einige ehespezifische Abzüge, und ein einzelner Spitzenverdiener kann die Steuerlast nicht mehr auf zwei Personen verteilen. Kantone können Ausgleichsmassnahmen einführen.
Auch Rentner sind betroffen. Verheiratete Rentner geben bisher eine gemeinsame Erklärung ab, was AHV, zweite Säule und dritte Säule in hohe Progressionsstufen drücken kann. Die Individualbesteuerung erlaubt jedem Partner, seine eigene Vorsorge zu seinem eigenen Satz zu versteuern — relevant für den Top-Slice-Effekt bei Säule 3a.
Zeitplan und nächste Schritte
Die Reform wurde von der Bundesversammlung verabschiedet und befindet sich nach der Volksabstimmung am 8. März 2026 in der Umsetzungsphase. Bundesrat und kantonale Steuerverwaltungen arbeiten an IT-Anpassungen, Steuerformularen und Quellensteuertabellen.
Das neue System tritt spätestens am 1. Januar 2032 in Kraft. Diese Übergangszeit ist notwendig, damit Bund und Kantone die Gesetze und IT-Systeme anpassen können. Für das Steuerjahr 2026 gilt weiterhin die gemeinsame Besteuerung. Ehepaare reichen ihre Erklärung wie bisher gemeinsam ein. Der Lohnausweis-Ratgeber und Dokumente für die Steuererklärung helfen beim aktuellen Verfahren.
Bereiten Sie sich frühzeitig vor. Trennen Sie Ihre Finanzunterlagen bereits jetzt nach Ehepartner — separate Lohnausweise, Kontoauszüge und Abzugsbelege. Das gilt besonders für Expats mit grenzüberschreitendem Einkommen oder Auslandsvermögen in der Schweiz deklarieren.
Konkrete Handlungsschritte für Ehepaare vor 2032
Obwohl die Reform erst 2032 in Kraft tritt, können Ehepaare bereits heute Schritte unternehmen, um den Übergang reibungslos zu gestalten. Erstens: Trennen Sie Ihre Finanzunterlagen. Führen Sie separate Konten für Lohn, Vorsorge und Anlagen oder dokumentieren Sie zumindest, welcher Anteil wem gehört. Dies erleichtert die spätere individuelle Deklaration.
Zweitens: Prüfen Sie Ihre aktuellen Abzüge. Der Zweiverdienerabzug, der Verheiratetenabzug und der Kinderabzug in ihrer heutigen Form werden durch das neue System ersetzt. Wenn Sie heute stark von ehespezifischen Abzügen profitieren, planen Sie den Übergang frühzeitig — etwa durch Erhöhung der individuellen Säule-3a-Beiträge oder durch eine Anpassung der Arbeitspensen.
Drittens: Simulieren Sie Ihre Steuersituation unter dem neuen Regime. Viele kantonale Steuerrechner bieten bereits eine erste Modellrechnung für die Individualbesteuerung an. So erkennen Sie, ob Sie zu den Gewinnern oder Verlierern gehören und können Ihre Finanzplanung entsprechend anpassen.
Für Expat-Paare mit internationalem Hintergrund ist die Reform besonders relevant, weil sie die Schweizer Steuerbelastung an internationale Standards angleicht. In den meisten Ländern werden Ehepaare bereits individuell besteuert, sodass der Schweizer Übergang für viele Expats eine Vereinfachung und Annäherung an bekannte Systeme bedeutet.
Wichtige Informationen zur Schweizer Steuerpraxis
Die Schweizer Finanzvorschriften, Rentenregeln und Steuergesetze unterliegen ständigen Anpassungen. Im Jahr 2026 wurden zahlreiche Parameter, darunter die Höchstgrenzen für die private Vorsorge, die Quellensteuersätze und die kantonalen Abzüge, aktualisiert. Bei der Planung Ihrer Altersvorsorge, Ihrer Steuererklärung oder Ihrer Anlagestrategie ist es unerlässlich, alle Zahlen mit den offiziellen Publikationen der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) oder Ihres kantonalen Steueramtes abzugleichen. Allgemeine Ratgeber bieten eine Orientierungshilfe, können aber eine persönliche Analyse Ihrer spezifischen Situation nicht ersetzen. Pflegen Sie Ihre Unterlagen sorgfältig, deklarieren Sie Auslandsvermögen stets gesetzeskonform und ziehen Sie bei komplexen grenzüberschreitenden Vermögenswerten einen qualifizierten Treuhänder hinzu.
Häufige Fragen
Gilt die Reform für Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern?
Ja. Die Reform umfasst die direkte Bundessteuer, und die Kantone müssen ihr kantonales und kommunales Steuerrecht harmonisieren. Der genaue Zeitplan variiert je nach Kanton.
Behalten Ehepaare Steuervorteile gegenüber Ledigen?
Die meisten ehespezifischen Abzüge wie der Zweiverdienerabzug und der spezielle Ehetarif werden durch die individuelle Veranlagung ersetzt. Einige Kantone können familienpolitische Entlastungen wie Kinderabzüge neu einführen.
Wie wirkt sich die Reform auf quellenbesteuerte Expats aus?
Die Quellensteuertabellen werden neu berechnet. Statt eines gemeinsamen Lohnbands für Paare wird jeder Ehepartner einzeln zum individuellen Satz besteuert. Das senkt den Quellensteuersatz für die meisten Doppelverdiener-Expat-Familien.

Beat Fischer
Certified Swiss Tax Expert & Fiduciary
Dipl. Steuerexperte / Treuhänder mit eidg. Fachausweis
Beat Fischer ist diplomierter Steuerexperte und zugelassener Treuhänder mit über 15 Jahren Erfahrung in der kantonalen Steuerplanung und grenzüberschreitenden Finanzstrukturen für Expats in Zürich und Bern.
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