Der Wandel vom traditionellen Sparbuch zum ETF-Portfolio
Jahrzehntelang war das klassische Kindersparheft oder Sparkonto die Standardmethode für Schweizer Eltern, um Geld für die Zukunft ihrer Kinder zurückzulegen. Doch in der heutigen Finanzwelt bedeutet das Liegenlassen von Ersparnissen auf einem Zinskonto über 10, 15 oder 18 Jahre hinweg einen sicheren Kaufkraftverlust. Angesichts von Zinssätzen, die meist zwischen 0,25 % und 1,00 % liegen – oft unter der aktuellen Teuerungsrate –, ist Bargeld keine sinnvolle langfristige Strategie mehr.
Wer für Minderjährige spart, hat einen entscheidenden Vorteil: einen extrem langen Anlagehorizont. Ein neugeborenes Kind hat 18 Jahre Zeit, bevor es rechtlich Zugriff auf das angesparte Geld erhält. Über diesen Zeitraum spielen kurzfristige Marktschwankungen kaum eine Rolle, während der Zinseszins-Effekt von Aktien seine volle Wirkung entfalten kann. Historisch gesehen erzielen breit diversifizierte Aktienportfolios eine jährliche Rendite von 5 % bis 7 %, was aus einer monatlichen Sparrate ein beträchtliches Startkapital machen kann.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Unterschied: Wer über 18 Jahre hinweg monatlich CHF 100 bei einer angenommenen Rendite von 6 % anlegt, kommt am Ende auf ein Vermögen von rund CHF 38'000. Davon entfallen über CHF 16'000 allein auf Zinsen und Kursgewinne. Auf einem herkömmlichen Sparkonto mit 0,50 % Zins läge der Betrag bei nur ca. CHF 22'000. Um diese Renditelücke zu schließen, sollten Eltern ein steueroptimiertes Junior-Depot oder automatisierte ETF-Sparpläne in Betracht ziehen.
Steuerliche Regeln: Wie die Geldanlage für Kinder in der Schweiz versteuert wird
Vor der Eröffnung eines Kontos oder Depots müssen Eltern die steuerlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz verstehen. In der Schweiz sind minderjährige Kinder keine eigenständigen Steuerobjekte und füllen daher keine eigene Steuererklärung aus. Das Gesetz schreibt stattdessen vor, dass das Vermögen und die Erträge minderjähriger Kinder in der Steuererklärung der Eltern deklariert werden müssen.
Daraus ergeben sich zwei zentrale Konsequenzen:
1) Vermögenssteuer (Vermögenssteuer): Das gesamte Sparguthaben bzw. der Depotwert des Kindes wird zum steuerbaren Vermögen der Eltern hinzugerechnet. Obwohl die Vermögenssteuersätze in den meisten Kantonen moderat sind (meist zwischen 0,05 % und 0,5 %), erhöht das Sparguthaben des Kindes die Steuerbasis der Eltern. Die kantonalen Steuersätze können Sie in unserem Ratgeber zur Schweizer Vermögenssteuer für Expats einsehen.
2) Einkommensteuer auf Dividenden und Zinsen: Sämtliche Erträge des Kindesdepots (Dividenden, Ausschüttungen, Zinsen) müssen als steuerbares Einkommen der Eltern deklariert werden. Im progressiven Steuersystem der Schweiz bedeutet dies, dass die Dividenden des Kindes mit Ihrem persönlichen Grenzsteuersatz (der bei Gutverdienern oft zwischen 25 % und 40 % liegt) versteuert werden. Vergleichen Sie die Progression in unserem Leitfaden zu den steuergünstigsten Kantonen.
Diese Regelung gilt bis zum Ende des Kalenderjahres, in dem das Kind das 18. Lebensjahr vollendet. Ab dem folgenden Jahr wird der Jugendliche als eigenständiges Steuerobjekt behandelt und reicht eine eigene Steuererklärung ein. Da junge Erwachsene zu Beginn meist kein oder nur ein geringes Einkommen erzielen, fallen sie in eine sehr tiefe Steuerstufe. Die rechtliche Übertragung des Vermögens mit 18 Jahren ist zudem schenkungssteuerfrei, da das Geld formal bereits dem Kind gehörte.
Besten Junior-Depots in der Schweiz: Broker vs. Robo-Advisors
Für die Einrichtung eines Junior-Depots stehen Eltern im Wesentlichen zwei Wege offen: automatisierte digitale Vermögensverwalter (Robo-Advisors) oder selbstverwaltete Wertpapierdepots (Broker). Die Wahl hängt davon ab, ob Sie eine bequeme Komplettlösung wünschen oder die ETFs selbst auswählen möchten.
1) True Wealth (Junior-Depot): True Wealth bietet eine sehr attraktive Lösung für Kinderkonten mit einem besonderen Vorteil: Die Verwaltungsgebühr beträgt 0,00 % (komplett kostenfrei) für Portfolios bis zu einem Betrag von CHF 10'000. Für Beträge darüber hinaus fällt eine moderate Gebühr von 0,50 % pro Jahr an. Das Depot wird auf den Namen des Kindes eröffnet, und das Portfolio wird basierend auf dem gewählten Risikoprofil automatisch in günstige, passive Indexfonds investiert. Details dazu finden Sie im Ratgeber zu Robo-Advisors in der Schweiz.
2) Swissquote (Junior-Depot): Wer die volle Kontrolle behalten und ETFs oder Aktien selbst kaufen möchte, findet bei Swissquote ein etabliertes Angebot. Swissquote bietet ein spezielles Jugend- und Kindersparkonto mit Depotfunktion. Zwar bietet Swissquote die Sicherheit einer renommierten Schweizer Bank mit Vollbanklizenz, die Transaktionsgebühren sind jedoch höher als bei Robo-Advisors. Pro Trade fallen zwischen CHF 5 und CHF 9 (zzgl. Stempelgebühren) an, weshalb sich dieses Depot eher für unregelmäßige größere Einzahlungen als für sehr kleine monatliche Sparraten eignet. Mehr dazu im Vergleich Schweizer Broker vs. internationaler Broker.
3) Selma & Findepend: Selma Finance bietet mit 'Selma für Kinder' eine einfache, automatisierte Vermögensverwaltung ab einer Gebühr von ca. 0,47 % bis 0,68 % an. Findepend ermöglicht ebenfalls Junior-Depots, wobei die ersten CHF 2'000 gebührenfrei verwaltet werden, danach liegt die Pauschalgebühr bei 0,44 % pro Jahr. Beide Lösungen eignen sich hervorragend für Eltern, die unkompliziert per App einen monatlichen Sparplan einrichten wollen.
Die Do-It-Yourself-Alternative: Eigener Broker im Namen der Eltern
Einige Eltern wählen einen dritten, kostengünstigeren Weg: Sie eröffnen ein normales Wertpapierdepot bei einem günstigen internationalen Broker (wie Interactive Brokers) und führen dieses separat als 'inoffizielles' Depot für ihr Kind.
Der große Vorteil liegt in den extrem niedrigen Transaktionskosten (meist unter USD 1 pro Trade) und dem Verzicht auf jegliche Depot- oder Verwaltungsgebühren. Zudem können Anleger hier hochgradig steuereffiziente US-ETFs (wie den Vanguard VT) erwerben. Bei diesen lässt sich die US-Quellensteuer vollständig über das Steuerformular DA-1 zurückfordern. Wie dies funktioniert, erfahren Sie in unserem Beitrag zum DA-1-Formular zur Rückerstattung der US-Quellensteuer.
Allerdings hat dieses Modell rechtliche und administrative Nachteile. Das Depot läuft rechtlich auf den Namen der Eltern. Das bedeutet, dass mit 18 Jahren keine automatische Übertragung stattfindet. Eltern müssen sehr genau Buch führen, um das Geld des Kindes vom eigenen Vermögen zu trennen. Zudem kann die spätere Übertragung je nach Kanton Schenkungssteuern auslösen, falls Freibeträge überschritten werden – auch wenn die meisten Kantone Schenkungen an direkte Nachkommen steuerlich freistellen. Prüfen Sie dies in unserem Ratgeber zur Schweizer Erbschafts- und Schenkungssteuer.
Anlagestrategie: So setzen Sie einen erfolgreichen Sparplan um
Wer sich für ein Junior-Depot entscheidet, sollte einige goldene Regeln befolgen, um den Zinseszins-Effekt optimal zu nutzen:
1) Setzen Sie auf 100 % Aktien: Aufgrund des extrem langen Zeithorizonts sind Anleihen oder Festgeld im Kindesdepot kontraproduktiv. Sie schmälern lediglich die Rendite. Ein Portfolio aus 90 % bis 100 % weltweiten Aktien-ETFs ist hier die richtige Wahl.
2) Automatisieren Sie per Dauerauftrag: Richten Sie einen monatlichen Dauerauftrag auf Ihr Junior-Depot ein. Dadurch nutzen Sie den Durchschnittskosteneffekt (Dollar-Cost-Averaging) und kaufen bei tiefen Kursen automatisch mehr Anteile.
3) Wählen Sie weltweit gestreute, günstige ETFs: Investieren Sie in breite Marktindizes (z. B. MSCI World, FTSE All-World oder einen All-Cap-Weltindex). Vermeiden Sie Nischen- oder Branchentrends (wie Robotik oder Krypto), da diese das Risiko unnötig erhöhen. Mehr dazu im Leitfaden zum ETF-Investieren in der Schweiz.
4) Nutzen Sie das Depot nur für langfristige Ziele: Das im Depot angesparte Geld sollte exklusiv für den Start ins Erwachsenenleben (z.B. Studium, Wohnungskauf oder Firmengründung) reserviert sein. Für alltägliche Anschaffungen eignet sich ein normales Bankkonto. Vergleichen Sie hierzu die besten Schweizer Bankkonten für Expats.
Häufige Fragen
Auf welchen Namen sollte das Junior-Depot lauten?
Das Depot kann auf den Namen des Kindes oder der Eltern eröffnet werden. Ein offizielles Junior-Depot (z.B. bei True Wealth oder Swissquote) läuft auf den Namen des Kindes. Das Geld gehört rechtlich dem Kind und geht mit 18 Jahren automatisch in dessen Verwaltung über. Ein Depot auf den Namen der Eltern bietet mehr Kontrolle darüber, wann das Kind das Geld erhält, erhöht jedoch die Komplexität bei der Vermögenstrennung.
Was passiert mit dem Junior-Depot, wenn das Kind 18 Jahre alt wird?
Bei Konten, die auf den Namen des Kindes lauten, geht die alleinige Verfügungsmacht mit dem 18. Geburtstag auf das Kind über. Die Bank oder der Broker kontaktiert den Jugendlichen, um das Konto in ein normales Erwachsenen-Depot umzuwandeln. Eltern haben ab diesem Zeitpunkt ohne ausdrückliche Vollmacht keinen Zugriff mehr.
Müssen Kinderzulagen in der Schweiz versteuert werden?
Ja. Familien- und Kinderzulagen werden als steuerbares Einkommen der Eltern gewertet. Dies lässt sich jedoch durch Kinderabzüge und den Abzug von Drittbetreuungskosten steuerlich ausgleichen. Mehr Informationen finden Sie in unserem [[Ratgeber zu Kinderzulagen und Familienabzügen in der Schweiz|/de/ratgeber/kinderzulagen-familienabzuege-schweiz-expats/]].

Beat Fischer
Certified Swiss Tax Expert & Fiduciary
Dipl. Steuerexperte / Treuhänder mit eidg. Fachausweis
Beat Fischer ist diplomierter Steuerexperte und zugelassener Treuhänder mit über 15 Jahren Erfahrung in der kantonalen Steuerplanung und grenzüberschreitenden Finanzstrukturen für Expats in Zürich und Bern.
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